von Lisa
“Hi, my name is Lisa, I’m your new milkmaid! I’ve just been introducing myself to the neighborhood. We are from Aussie Farmers Direct and what we are doing is a free home delivery of all your milk, bread and fridge products. And now we’re doing even fruit and veg! It’s all about supporting the australien farmers and the best thing is that there is no contract…”
Wer hätte gedacht dass ich jemals so einen Job machen würde…?
Von Tür zu Tür gehen und zu versuchen Milch und Saft im Abo zu verkaufen…?
Aber von vorne: Nachdem ich in den letzten Wochen nicht so leicht einen ordentlichen Job als Au-pair in Sydney gefunden habe (momentan wimmelt es hier nur so vor jungen Mädels aus Deutschland die alle auf der Suche sind…), habe ich im Internet geguckt was es sonst noch so gibt. Dort habe ich dann eine Anzeige gefunden, die ganz gut klang, wo man aber nicht direkt wusste um was es eigentlich geht. Ich habe mich also einfach mal “beworben” und am nächsten Tag hat mich der Chef der Aussie Farmers Direct in Sydney, Ben, angerufen und mich zu einem Interview eingeladen. Dort bin ich also hin um zu erfahren worum es eigentlich geht…
Im Eingangsbereich der Firma haben noch einige andere, hauptsächlich Backpacker aus aller Herren Länder, mit mir gewartet. Nach einer Weile ging es dann endlich los und wir wurden nach oben ins Büro (eher ein Zimmer mit ein paar Tischen und ´ner Tischtennisplatte…) gebracht. Als aller erstes haben wir uns alle vorgestellt auch die alten Hasen waren mit dabei. Etwa später mussten die dann zur Arbeit und wir erfuhren um was es bei der Job-Anzeige, in der vielversprechend mit Verdiensten bis zu 1.500 australischen Dollar (etwa 900 Euro beim aktuellen Kurs Australischer Dollar – Euro) – allerdings ohne Angabe für welchen Zeitraum – geworben wurde, ging. Wir sollten Produkte verkaufen die direkt von australischen Farmern stammen, z.B. Milch, Brot, Eier und Speck. Am Ende des Interviews meinte Ben, dass er niemanden anstellt sondern er lässt sich die Leute selber anstellen. So durfte jeder der wollte am nächsten Tag zu dem, auf den Job vorbereitenden, Training kommen. Natürlich sind nicht alle gekommen die am Tag zuvor da waren, aber wir waren dennoch recht viele Leute. Da ich ja keinen anderen Job hatte dachte ich mir dass es ja nicht schaden kann dort einfach mal rein zu schauen. So kommt man dann mal raus, lernt neue Leute kennen und kann vielleicht ein paar interessante Erfahrungen sammeln.
Beim Training, Antritt war um 10 Uhr, das war die früheste Zeit die ich jemals da war, wurde uns alles über die Produkte erzählt und was wir an der Tür sagen sollen. Wir mussten alle unseren „Pitch“ aufsagen und durften danach, gegen 17 Uhr, nach Hause. Wir hatten am Dienstag unser Interview, Mittwoch Training und am Donnerstag ging es für uns auch schon richtig los. Arbeitsbeginn ist immer 13 Uhr, ganz in der Nähe der Central Station. Wir gammeln dann dort im Büro erst mal ein wenig ab bevor es irgendwann wirklich los geht (so gegen 14 Uhr). Als Motivation werden die Erfolgreichsten des vorigen Tages gelobt und alle gehen dann runter zu ihren Bussen. Als neue Verkäufer wurden wir unter den schon bestehenden Leuten und Bussen aufgesplittet, so dass wir den ersten Tag nicht ganz auf uns gestellt waren sondern mit jemand anderem zusammen rumlaufen und verkaufen konnten. Man fährt ´ne halbe Stunde bis Stunde hin zu seinem Gebiet, ist aber nicht vor halb vier da, weil vorher erst mal Mittagspause gemacht wird. Ich bin mit einem anderen deutschen Mädchen rumgelaufen die auch gerade erst 1 ½ Wochen ihren Job bei Aussie Farmers Direct hatte. Nach ca. 2 Stunden habe ich mich dann alleine im Verkaufen versucht, aber ich war so überhaupt nicht erfolgreich. Naja, ich dachte, das war der erste Tag…
Am nächsten Tag bin ich dann mit einem mitgelaufen der schon etwas länger dabei war. Obwohl ich fand dass auch der nicht so einen super Text aufgesagt hat, hatte er doch stets einen Spruch bereit und hat auf diese Weise “seine Sales” gemacht. Dann habe ich‘s wieder alleine versucht, ohne dass dabei etwas herumgekommen ist…
In der Woche danach habe ich dann auch kaum Verkäufe gemacht, meistens war es mehr Glück als verkäuferisches Talent. Und das bei 5 Stunden oder sogar noch längerem “Türen klopfen”. In einem Bus ist immer ein Manager, der für alles verantwortlich ist und dem man seine Ergebnisse mitteilen muss. Am Ende des Tages bekommt man dann eine SMS, dass man noch so und so viele Verkäufe erzielen muss bevor man nach Hause kann… Okay, es steht nicht genau so in der SMS, aber im Endeffekt ist es so. Es steht immer Druck von oben dahinter und es ist des Öfteren vorgekommen, dass wir nicht – wie vereinbart – um 20:30 Uhr sondern erst eine halbe Stunde oder auch Stunde später abgeholt wurden. Eine Zeit, in der sowieso niemand mehr die Türen aufmacht…
Insgesamt ist das keinesfalls ein Job für mich. Ich habe jedenfalls gelernt dass ich keine geborene Verkäuferin bin und ich unter so einer Art von Druck nicht arbeiten kann. Zwar bekommt man die ersten zwei Wochen ein Festgehalt (nach Steuern bleibt allerdings auch nicht mehr viel übrig) aber man fühlt sich trotzdem doof wenn viele mehr Verkäufe machen als man selbst. Deswegen habe ich nach einer Woche aufgehört (was nebenbei der Entspannung meiner Füße nun auch ganz gut tut). Es ist schon hart den ganzen Tag auf den Beinen zu sein (ich war von 11 Uhr bis etwa 23 Uhr unterwegs und habe davon vielleicht 4 bis 5 Stunden wirklich gearbeitet). Aber wie dem auch sei, es war einen Versuch wert, ich bin um einige Erfahrungen reicher und werde mich nun weiter nach einem anderen Job umschauen… vielleicht findet sich ja noch was cooles, ehe es zurück nach Deutschland geht.
Autor: Andre Kolell
Datum: Montag, 7. September 2009, um 13:49 Uhr
Themen: Ein Jahr in Australien, Persönliches
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So lernt man auch seine Fähigkeiten kennen, leider nicht auf ganz angenehme Art. Es ist aber trotzdem toll, dass du dich so überwunden hast. Ich bin stolz!!!
[...] UWS schon eine Weile zurück liegt, gibt es nicht viel Neues zu berichten. Kurz nachdem Lisa das Klinkenputzen bei Aussie Farmers Direct aufgegeben hat, hat sie eine neue Gastfamilie gefunden, bei der sie inzwischen schon wieder eine [...]