Während der letzten Woche war vorlesungsfrei. Lisa und ich haben die Zeit genutzt und sind in vier Tagen knapp 1.000 Kilometer mit einem Jucy Camper durch Sydneys Norden gefahren. Unseren ursprünglichen Plan, noch einmal in den Mount Kosciuszko Nationalpark zu fahren, hatten wir aufgrund der dortigen Temperaturen um den Gefrierpunkt verworfen. So sind wir stattdessen die Küste entlang bis Port Stephans und dann, als das Wetter zusehends schlechter wurde, landeinwärts via Hunter Valley, durch den Yengo und den Dharug Nationalpark zurück nach Sydney gefahren (unsere Route bei Google Maps)…
Gestartet sind wir am vergangenen Donnerstag. Unser Camper hatte knapp 90.000 km runter und war in einem ordentlichen Zustand. Nach einer guten Stunde Fahrt mit hochtourigem Motor haben wir irgendwann einen “Overdrive”-Knopf gefunden und gedrückt, was nicht nur die Lautstärke sondern auch den Spritverbrauch erheblich gesenkt hat. Zunächst sind wir ziellos an die Küste gefahren. In “The Entrance” haben wir dann Mittag gegessen und einer Pelikan-Fütterung beigewohnt. Anschließend ging es Einkaufen und dann weiter Richtung Norden. Nachdem wir den Sonnenuntergang von einem der zahlreichen Strände aus beobachtet haben, ging es durch die Dunkelheit nach Port Stephans, um genau zu sein nach Anna Bay, wo sich (noch?!) die “größte bewegende Sandmasse der südlichen Hemisphäre” – eine 35 Kilometer lange Wanderdüne – befindet. Die Nacht haben wir dann auf einem nahen Parkplatz am Strand verbracht, auf dem sich auch noch einige andere Camper aufgehalten haben.
Am Morgen konnten wir dann die Sandmassen sehen. Wir sind pünkltich zum Sonnenaufgang um 5 Uhr aufgewacht und – nach einem Blick zum langweiligen Himmel – gleich wieder eingeschlafen. Zwei Stunden später sind wir dann aufgestanden, haben in aller Ruhe am Strand gefrühstückt, entspannt und geduscht. Dann sind wir ins nahe Nelson Bay gefahren, wo wir an einer Schiffstour teilgenommen und Wale, Delfine und Robben “beobachtet” haben. Am Abend sind wir noch etwas weiter gefahren und durch einen frei zugänglichen Park gewandert, in dem es auch Koalas hat geben sollen. Leider haben wir keinen mehr aufspüren können. Als wir schon ziemlich müde waren, galt es zu entscheiden ob wir noch zwei weitere Stunden in Richtung Norden nach Taree und Wingham fahren oder in Port Stephans übernachten und am nächsten Tag weiter sehen sollten. Letztendlich entschieden wir uns für die entspannte Variante und fuhren zu unserem gewohnten Schlafplatz. Die Nacht war deutlich unruhiger. Es war Freitag und jede Menge an- bis be-trunkene Leute entschlossen sich auch zu später Stunde dem Strand noch einen Besuch abzustatten. Ein Feuerwerk gab es sogar auch. Am Morgen wurden wir von unzähligen Surfern geweckt, die sich unseren Parkplatz ausgesucht hatten. Da es jedoch sehr windig war, verließen uns die meisten ebenso schnell wieder, wie sie gekommen waren…
Auch uns war es zu viel Wind. Wir konnten weder duschen (die Wanderdünen waren gerade auf dem Weg dorthin) noch ließ sich heißes Wasser für Kaffee und Tee kochen… Und so entschieden wir uns dazu die Küste zu verlassen und in die bekannte Weinregion Hunter Valley aufzubrechen. Hauptsächlich waren wir in der Gegend um Pokolbin. Zunächst haben wir an einer Führung teilgenommen und jede Menge verschiedener Weine probiert (und auch die obligatorische Flasche gekauft…). Natürlich musste Lisa fahren, so dass ich immer etwas mehr zum Probieren hatten. Da gerade das “Wochenende der Oliven” war, haben wir auf weiteren Weingütern auch noch jede Menge Antipasti (und Brot) abstauben können. Als wir dann gesättigt waren haben wir die Landschaft noch ein wenig zu Pferd betrachtet. Zu einer Stelle, von der aus wir einige Kängurus haben sehen können, sind wir im Anschluss noch einmal zurück.
Die Nacht auf Sonntag haben wir im auf einem Berg in der Nähe von Cessnock verbracht. Obwohl wir im Auto waren, konnte man gut mitbekommen wie windig es auf so einer Aussichtsplattform sein kann. Und obgleich wir dieses Mal an einem wirklich abgelegenen Ort waren, bekamen wir in der Nacht wieder Besuch. Zuerst einige Asiaten die krampfhaft versuchten mit Blitzlicht das etwa 2-3 km entfernte Städtchen aufzunehmen und dann einige andere Autos, die ihre Freunde unseren coolen Camper zu sehen durch kräftiges Hupen zum Ausdruck brachten… Uns ließ das kalt und am Sonntagmorgen machten wir uns zeitig auf den Weg. Leider hatte der Wind noch weiter zugenommen – es war richtig stürmisch – und so irrten wir mit unserem Auto ziemlich durch die Gegend. Viel durch Nationalparks, dann an den Strand (an dem ich Lisa nach intensivem Gespräch exemplarisch verdeutlicht habe, dass uns ein ca. 30 cm hoher Sandwall vor dem Wind nicht schützen wird…), dann wieder durch Nationalparks Richtung Heimat. Hier hätte uns ein Allradantrieb sicherlich gut getan; teilweise konnten wir einfach nicht so richtig rein in die Natur (und einfach irgendwo drauf los wandern wollten wir dann auch wieder nicht). Dennoch war es landschaftlich beeindruckend, insbesondere am Hawkesburry River, den wir per Fähre in Richtung Windsor bzw. Sydney überquert haben.
Am Sonntagabend waren wir dann zurück in Parramatta, wo die Wahlergebnisse und zahlreiche E-Mails schon sehnsüchtig darauf warteten gelesen zu werden…
Autor: Andre Kolell
Datum: Dienstag, 29. September 2009, um 14:13 Uhr
Themen: Ein Jahr in Australien, Persönliches
Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0